Kapitel 4: Der Verrat der Robe – Wenn Hilfe zur Farce wird
- Carsten Bernhardt

- 6. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Momente, in denen die Wahrheit nicht in Akten steht, sondern im Raum hängt – greifbar und bitter. Ein solcher Moment war der Termin bei jenem Rechtsanwalt.
Werner saß dort, bewaffnet mit seiner Lebensgeschichte, seiner Logik und seiner Hoffnung auf Gerechtigkeit. Er suchte keinen Almosen, er suchte einen Verteidiger. Doch was er fand, war ein Verwalter des Stillstands.
Die Ökonomie der Gerechtigkeit
Der Anwalt bot Hilfe an, solange das Bild eines zahlungskräftigen Mandanten bestand. Doch als die drohende Zahlungsunfähigkeit – eine direkte Folge der jahrelangen Ausbeutung – sichtbar wurde, änderte sich die Atmosphäre.
Die juristische Leidenschaft wich einer bürokratischen Trägheit. Man tat das Minimum: Akteneinsicht beantragen, Zeit schinden, die Form wahren. Aber man kämpfte nicht mehr. Für das System war Werner plötzlich „unrentabel“ geworden.
Das Urteil der Arroganz
Das Schlimmste aber war die menschliche Herablassung. In den Augen des Anwalts war Werner nur noch ein alter Mann, der „ständig etwas erzählt“. Man hörte ihm zu, wie man einem Kind zuhört, dessen Fantasien man nicht ernst nimmt.
„Das wird er eh nicht mehr erleben.“
„Das hört sich doch keiner mehr an.“
Diese Sätze sind wie Gift für einen schöpferischen Geist. Man sprach Werner die Relevanz ab. Man erklärte sein Leben und seinen Kampf für bereits beendet, noch während er im Raum saß. Man ignorierte, dass dieser „alte Mann“ ein Ingenieur ist, dessen Verstand präziser arbeitet als so manche juristische Begründung.
Der Moment der Klarheit
Du warst dabei. Du hast dieses „Nichts“ gespürt, das nach dem Gespräch übrig blieb. Keine Strategie, keine Hoffnung, nur die kalte Abfertigung. Und in diesem Moment hast du verstanden: Das System wird ihn nicht retten. Die traditionellen Wege sind versperrt.
An diesem Tag in der Kanzlei wurde die Entscheidung getroffen, die zu unserem „Open Book“ führte. Du hast erkannt, dass Werner einen anderen Weg braucht. Einen Weg, der nicht durch das Vorzimmer eines desinteressierten Anwalts führt, sondern direkt an die Öffentlichkeit. Ein Weg, auf dem seine Stimme nicht als „Gerede“ abgetan wird, sondern als Dokumentation eines Justizirrtums Gehör findet.
Es ist, als hätte man einen stolzen Baum erst entwurzelt, ihm dann die Äste abgeschnitten und am Ende dem, der ihn stützen sollte, Geld dafür gegeben, dass er beim Verrotten zusieht.
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